Zwei Freunde mit unterschiedlicher Meinung zu Gast

Der Landbote - In einer Woche diskutieren Politiker und ein Experte im Tösstal über die Atomausstiegsinitiative. In Chur kam es unter ähnlichen Vorzeichen jüngst zum Eklat.

Der Atomausstieg ist Landauf Landab momentan eines der meistdiskutierten Themen. Am kommenden Dienstag, 8. November, debattieren ab 19 Uhr auch in der Grosshalle in Turbenthal politische Schwergewichte über die Initiative, die am 27. November zur Abstimmung kommt.

Die Energiekommission hat dazu Ständerat Ruedi Noser und Nationalrätin Regula Rytz eingeladen. Als Referent mit dabei ist ETH-Professor und Unternehmer Anton Gunzinger. In einem «Plädoyer» werde dieser aufzeigen, «wie wir uns, trotz Verzicht auf Kernkraftwerke, zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen können», heisst es im Flyer. Gunzinger wird zusätzlich als Podiumsredner aufgeführt.

Teilnahme in Chur abgesagt

Anton Gunzinger war kürzlich bereits an eine Podiumsdiskussion in Chur als Experte eingeladen. Dies gefiel dort allerdings nicht allen vorgesehenen Podiumsteilnehmern. Der ebenfalls eingeladene Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler haben ihre Teilnahme jedenfalls abgesagt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Kritisiert wurde vor allem, dass der Anlass mit den gewählten Experten nicht ausgewogen besetzt sei. In Turbenthal ist ein Eklat trotz ähnlicher Vorzeichen unwahrscheinlich. Denn FDP-Ständerat Ruedi Noser hat kein Problem damit, dass Anton Gunzinger vor der Podiumsdiskussion ein Referat hält. Im Gegenteil: «Herr Gunzinger ist ein geschätzter Freund von mir und erzählt vieles, was richtig ist», sagt Noser. Ebenso klar sei allerdings, dass man aufgrund von Wissen unterschiedliche Strategien und Vorgehen ableiten könne. Er nehme am Podium teil, weil ein Ja zur Initiative zu hohen Schadenersatzzahlungen führen werde. Der Bund gebe dann Geld aus für die Schulden der Atomkraftbetreiber statt für die Energiewende. Einen überstürzten Ausstieg wie das die Initiative verlange, lehne er ab.

Pro- und Kontra-Argumente

Stephan Meister von der Energiekommission hält die Zusammensetzung des Podiums für ausgewogen. Anton Gunzinger lege als Experte Fakten zur Energiewende aus «neutraler Sicht» dar. Es sei dem Gemeinderat Turbenthal ein Anliegen gewesen, dass am Podium Pro- und Kontra-Argumente zur Sprache kommen. Deshalb habe man mit Regula Rytz und Ruedi Noser zwei prominente Gäste beider Seiten eingeladen. Die Energiekommission plane den Anlass bereits seit Mai. Die Werbung läuft auf Hochtouren, im Tösstal sind vielerorts Werbeplakate zu sehen. Stephan Meister hofft auf eine möglichst faktenbezogene Diskussion mit über 400 Gästen.

Quelle: Landbote vom 01.11.2016, PDF

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